Schäften — gar nicht so schlimm

Wer nach einem Bausatz baut, bekommt Platten mit einer sauber gefrästen Puzzleverbindung. Wer nur nach dem Plan baut und alles selbst schneidet, kommt um das Schäften nicht herum. Hierbei werden Plattenteile angeschliffen und durch eine Epoxidverklebung verlängert.

Ich muss zugeben, vor diesem Arbeitsschritt hatte ich gehörigen Respekt. Insbesondere, wenn man im Internet teilweise ehrfurchgebietene Konstruktionen für die Oberfräse sieht oder in einem Bootsbauer-Handbuch liest, dass das Schäften zu den anspruchsvollsten Arbeiten gehört. Ich hab’s jetzt gemacht und kann sagen: Angst ist nicht notwendig, nur ein bisschen Sorgfalt. Ok, einschränkend muss ich hinzufügen, dass es mir im Moment nicht auf Schäftungen ankommt, die später sichtbar bleiben, sondern zunächst einmal nur auf eine funktionelle und belastbare Verbindung von Sperrholzplatten, die später lackiert werden sollen. Am besten macht man an Reststücken ein paar Probeschäftungen. Die erste ist sicher frustrierend, aber schon beim zweiten Versuch bekommt man langsam ein Gefühl dafür, worauf es ankommt: unter anderem Geduld. Ich habe zwei Versuche gebraucht, bis ich mich ans eigentliche Werkstück getraut habe.

Schäftungen werden in einem bestimmten Verhältnis vorgenommen. Bei Sperrholzplatten in der Regel in einem Verhältnis von 1 zu 8, also etwa das Achtfache der Dicke wird geschäftet, das bedeutet: angeschrägt und dann flächendeckend verleimt. Durch die große Auflagefläche erhält man eine Belastbarkeit der Verklebung, die dem sonstigen Holz entspricht. Bei einer Platte von 6 mm wie in meinem Beispiel wären das 48 mm, aufgerundet zu 50 mm Überlappung.

Mindestens zwei Platten — höchstens vier werden empfohlen — werden um dieses Maß versetzt aufeinander gelegt. Die unterste Platte muss mit dem Ende der Arbeitsplatte abschließen, die anderen werden mit dem Abstand von 50 mm versetzt aufgelegt. Es empfiehl sich, eine durchgehende und gut sichtbare Linie aufzuzeichnen, an der man sich orientieren kann. Zum Schluss werden die Platten gut fixiert, am besten durch eine Schraubzwinge. Wenn der Arbeitsbock nicht ganz stabil ist und die Platten im Anschluss ohnehin gestrichen werden, schadet es nicht, die Platten sogar mit Spax-Schrauben an der Werkbank festzuschrauben. Natürlich außerhalb des Bereiches, in dem gehobelt wird. In meinem Fall wäre das gut gewesen, denn die Platten des Arbeitsbockes haben sich unter dem Hobel ganz leicht durchgebogen, als die unterste Sperrholzplatte schon deutlich dünner war. Das hat das Arbeiten etwas erschwert.

Nun kann es ans Abheben des Sperrholzes gehen. Ich habe viele Diskussionen im Internet gelesen, wie man dies mit der Oberfräse, einem Elektrohobel, Exzenter- oder Bandschleifer machen kann. Obwohl ich keine besondere Übung mit dem Handhobel habe muss ich bestätigen, was auch im Handbuch des Pocketship steht: es geht mit einem brauchbaren Handhobel ganz erstaunlich gut. Man muss nur darauf achten, dass die Klinge scharf ist und so eingestellt, dass sie nicht zu viel abträgt. Und man darf kaum Druck auf den Hobel ausüben und ihn nicht mit Gewalt in die Platte rammen, sondern ihn nur hin und her gleiten lassen. Mit ein bisschen Übung bekommt man schnell ein Gefühl dafür. Zwischendurch muss man häufig die Späne ausklopfen; bei Sperrholzplatten bekommt man neben den Spänen durch die versetzten Schichten eine Menge kleine Hobelspäne und Leim in den Hobel.

Zunächst werden die vier Kanten in etwa dem Winkel abgehobelt, den die Schäftung bekommen muss. Genauigkeit ist hier noch gar nicht gefragt. Je mehr man abschleift, um so mehr ergibt sich die Fläche von alleine, wenn man an allen Kanten gleichmäßig etwas abnimmt. In der Pocketship-Bauanleitung steht, in Minuten habe man die Schäftung gehobelt. Hmmm, das stimmt schon. Bei mir waren es nur viele Minuten. Das hängt sicher damit zusammen, dass man am Anfang noch sehr viel Sorgfalt benötigt und immer wieder prüft. Das ist auch in Ordnung. Ich glaube, hier bewährt sich der Handhobel, weil man einen Blick und das Gefühl entwickelt, während man damit arbeitet. Ungefährt einen halben Millimeter vor der Fertigstellung habe ich den Rest mit dem Extenterschleifer und Schleifpapier mit 60er Körnung gemacht. Auch hier wieder vorsichtig, insbesondere an den hauchdünnenen Enden der Platten. Schnell reißt ein Stückchen raus, wie mir auch passiert ist. In meinem Fall ist es nicht schlimm: das wird mit Epoxid gefüllt und gestrichen. Aber ich würde es bei den oberen Platten des Bootsrumpfes vielleicht doch so gut hinbekommen können, dass auch eine Klarlackierung schick aussieht.

Der Rest ist einfach und im Handbuch gut beschrieben: Die Klebestellen werden satt mit angedicktem Epoxid bestrichen und aufeinander gelegt. Nicht vergessen, eine Plastikfolie zwischen Werkbank und Werkstück zu legen. Darauf wieder eine Folie, darauf das nächste Plattenpaar, darauf wieder eine Folie und ein Stück Restsperrholz und alles zusammen mit Spax verschrauben. So brauchte ich keine Klemmvorrichtung. Vor dem Verleimen würde ich auf jeden Fall die Platten probehalber verbinden. Nur so kann man sehen, ob man ggf. noch etwas nachschleifen muss, schließlich sollen die Platten auch plan miteinander verbunden werden.

Noch ein spezieller Tipp für das Pocketship. Normalerweise werden auch hier erst die Rohstücke verbunden und dann die Formteile ausgeschnitten. Beim Kiel ist die Anleitung jedoch etwas unklar. Offenbar sollen hier die Formteile bereits geschnitten und dann verbunden werden. Hintergrund ist wohl, dass man auf diese Weise eine Platte sparen kann. Ich kann davon nur abraten. Das Schäften beinhaltet etwas Ungenauigkeit beim Zusammensetzen der Platten; wenn man nun schon die Formteile genau geschnitten hat, sind sie hinterher mit einiger Sicherheit nicht mehr genau. So ist es mir passiert. Das kann man ignorieren und die Fehlstellen hinterher dichtspachteln. Besser ist es, entweder vorher Rohplatten zu schäften und dann im Ganzen genau zu schneiden oder aber wenigstens die Formteile mit etwas Zugabe aus der Platte (wobei: ganz viel Luft ist da nicht) zu schneiden, dann an der gewünschten Stelle zu schäften und zum Schluss auf das genaue Maß herunterzuschneiden.

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