Probleme mit dem Kiel

Mit dem Kiel hatte ich ein großes Problem, der beinahe zum kompletten Neubau geführt hätte. Das ist besonders ärgerlich, weil auch der Kielkasten bereits verleimt ist. Noch weit, weit vor der Fertigstellung des Schiffchens kommt es also zu den ersten einschneidenden Rückschritten.

Man könnte sich fast freuen, dass dieser Fehler auch etlichen anderen Bootsbauern untergekommen ist. Ein Suche im Internet nach „pocketship keel“ bringt etliche Fundstellen. Das Problem liegt im Handbuch. Die richtige Bauweise ist nur auf einem Bild ganz nebenbei zu sehen, erläutert wird sie aber nicht. Der Aufreger daran ist für mich, dass dieses Problem bereits 2009 von einem Kunden in seinem Blog (mit Antwort von John Harris!) und 2010 im CLC-Forum berichtet wird, bis heute ist aber die Anleitung nicht überarbeitet. Dabei gibt es dort noch weitere, aber nicht so dramatische Widersprüche.

Bei der Probemontage passt noch alles wunderbar. Auch das Kielschwein (hier nicht zu sehen) past noch genau.

Bei der Probemontage passt noch alles wunderbar. Auch das Kielschwein (hier nicht zu sehen) past noch genau.

Legt man das Kielschwein auf, wird das Ausmaß der Differenz deutlich.

Was ist nun das eigentliche Problem? Der Kiel ist noch bei der unverleimten Probemontage völlig in Ordnung und sieht richtig gut aus. Der erste Moment, wo man als Bootsbauer eine allererste Ahnung vom Boot bekommt und ein kleines bisschen stolz ist. Alles passt wunderbar. Und dann schaut man sich die Bilder im Handbuch an, liest die Anweisungen und geht munter ans Verleimen. Böse Falle, denn schon die erste Verleimung erzeugt den Fehler.

Im Handbuch entsteht der Eindruck, dass die erste Kielseite plan auf den Tisch gelegt wird. Es wird im Text nicht erwähnt, dass man den Kiel zum Ende unterfüttern muss — was im Nachhinein eigentlich ganz logisch ist, denn der Kiel läuft nach hinten konisch zu. Der Fehler ist, blind der Anleitung zu folgen, die angesichts der Fülle des Bildmaterials, der Anweisungen und der Qualität der Pläne einen guten Eindruck macht und großes Vertrauen einflößt. Wenn der Kiel aber plan auf dem Tisch liegt, kann das Bauteil zwangsläufig angesichts des Bogens nicht mehr mittig sein. Also: unbedingt passend unterfüttern!

Auch an anderer Stelle gibt es Widersprüche in der Anleitung. Die Pläne beispielsweise sehen vor, dass die Seiten des Kiels aus jeweils zwei Teilen geschnitten und dann geschäftet werden. Mir ist das nicht zufriedenstellend gelungen. Bei Schäftungen gibt es, zumindest für Anfänger und Laien wie mich, immer gewisse Ungenauigkeiten. Hat man bereits genau ausgeschnittene Teile, gibt es für Ungenauigkeiten beim Schäften keine Toleranz. Das scheint aber auch beim Bau des Prototyps passiert zu sein: anfangs sieht man noch ein komplettes und offenbar geschäftetes Teil, auf der Seite 36 im mittleren Bild kann man sehen, dass plötzlich die Einzelteile verbaut werden. Das ist auch logisch, denn die Schäftung der Kielseiten ist vollkommen unnötig. Unter der Schäftung verläuft ohnehin eine Leiste, die die Kielteile verbindet. Auf dieser Leiste kann man die Stoßfuge setzen, und genau so wurde es beim Prototyp dann auch gemacht.

Ebenso unsinnig ist es, das Keelschwein (Keelsom) zu schäften. Es reicht völlig, die Einzelteile genau auszuschneiden und separat aufzuleimen. Wer gerne ein komplettes und gerade ausgerichtetes Teil haben möchte, kann die beiden Teile auch auf Stoß leimen. Das gesamte Teil wird ohnehin vollflächig auf dem durch eine eingepasste Leiste geschlossenen Kiel verleimt. Das Teil kann nicht weg.

3 Antworten auf Probleme mit dem Kiel

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