Langsam geht es weiter, ganz langsam

In den letzten Monaten habe ich mit einigen Druck versucht, am Boot zu arbeiten. Zwar habe ich allerhand geschafft, aber so viel Zeit ist nicht übrig, der Spaß wich dem Druck und so habe ich nun bewusst die Bremse gezogen. Das Boot wird nicht mehr in diesem Jahr aufs Wasser kommen, sondern erst im kommenden Frühjahr oder Frühsommer. Und plötzlich macht das Arbeiten am Pocketship wieder Freude.

Im Einzelnen zu den Arbeitsschritten. Mit dem Aufbringen des Kabinendaches ist der Bau des Rumpfes abgeschlossen. Dabei hat das Dach einige Mühe gekostet, denn es ist mehr Spannung auf der Wölbung als gedacht. Im Zusammenspiel mit einer nicht sauber vorbereiteten Klebefläche im vorderen Bereich, an den beiden Lüftungsschächten, kam es zu einem Abriss der Epoxid-Verklebung. Glücklicherweise ist nicht das Holz gerissen, sondern nur die Verklebung. Also habe ich den betroffenen Bereich vorsichtig angehoben, mit der Fingerfeile alle Klebereste sorgfältig abgeschliffen und den Untergrund ordentlich vorbereitet und neu verklebt. Vorsichtshalber habe ich die Verklebung des Daches an beiden Seiten mit V4A-Schrauben verschraubt, die zusätzlich zur Verklebung im Boot bleiben. Im Übrigen habe ich etwa doppelt so viele temporäre Schrauben für das Dach verwendet wie im Handbuch vorgesehen. Es ist so viel Spannung auf dem Sperrholz, dass das Holz mit weniger Verschraubung nicht vollständig auf die Leisten gezogen wurde und man sicher Dellen erhalten hätte.

Die Arbeiten an der Kabine habe ich im März durchgeführt, da war es in meiner Werkstatt eigentlich noch ein bisschen zu frisch für Epoxid-Arbeiten, zumindest in der Nacht. Also habe ich eine Heizung ins Boot gestellt und die Kabine mit einer Filzdecke abgedichtet. Hat funktioniert.

Mit steigenden Temperaturen habe ich mit dem Laminieren begonnen. Auf dem abgerundeten Kabinendach habe ich Probleme mit Läufern bei den Deckschichten bekommen, weil das Harz zu dünnflüssig ist. Abhilfe hätte ein Zusatz von Thixotropiermittel gebracht, das aber die Oberfläche härter machen und damit das nachfolgende Schleifen erschweren soll. Ich habe deshalb beim Bootsservice Behne für die Beschichtung eine andere Harz- und Härterkombination bestellt (Harz 601, Härter 650) und bin damit außerordentlich zufrieden. Das Harz ist deutlich zäher, lässt sich aber noch gut auftragen, insbesondere mit der Rolle. Mit Läufern war bei mäßigem Auftrag sofort Schluss, bei planen Flächen wie dem Cockpit konnte ich in nur einem Arbeitsgang, hier mit dem Pinsel, eine reichliche Deckschicht auftragen.

Da ich eine schwere Glasfaser mit 280 g/qm verwende und es die leider bei meinem Lieferanten nur in einem Meter Breite gibt, musste ich beim Cockpit mit überlappenden Bahnen arbeiten. Das bedingt zwar mehr Schleifarbeit, so schlimm allerdings ist es auch nicht.

Mit Hilfe vieler Freunde wurde das Boot gewendet, anschließend wurde gegrillt und viel gefachsimpelt. Ja, man kann das Boot mit Hilfsmitteln, viel Zeit und Mühe auch alleine wenden. Ja, man kann sich dabei aber auch schwer verletzten, wie es einem sehr netten Bootsbauerkollegen bei einem Bootsrumpf gleicher Größe ergangen ist. Aber warum sollte man sich das antun, wenn einem ein schöner Abend mit Freunden entgeht, und der ein Highlight für jeden Bootsbauer ist, da man sich einen ganzen Abend in Anerkennung und Lob geradezu wälzen kann. Das war toll, ein großes Dankeschön an alle Freunde.

Das Boot haben wir zunächst auf alten Matratzen abgelegt, ich habe es später mit Hilfe eines Wagenhebers und eines Kettenzuges vorn und hinten angehoben, auf Stützböcken mit Spindeln abgelegt und in alle Richtungen zunächst einmal grob in Waage gebracht. Vor der Lackierung wird das noch einmal korrigiert.

Nach und nach wurde der Rumpf vollständig laminiert und mit mehreren Deckschichten Epoxid versehen. Um Gasblasen zu vermeiden, habe ich gegen 15 Uhr mit dem Tränken der Glasfaser begonnen, also zum Zeitpunkt der höchsten Tagestemperatur und anschließendem Abkühlen. Das hat wunderbar funktioniert, ich hatte am ganzen Rumpf nicht ein einziges Bläschen. In der Folge habe ich drei Deckschichten nass in nass aufgetragen. Der Nachteil ist, dass man ein langes Wochenende mit wenig Schlaf hat, denn man muss etwa alle sechs Stunden in die Werkstatt. Der Vorteil ist, dass man sich Zwischenschliffe ersparen kann. Da ich den Bootsboden und die beiden Seitenwände jeweils in einzelnen Schritten bearbeitet habe, waren es also drei anstrengende Wochenenden.

Nach dem sorgfältigen Schliff des Rumpfes habe ich, wie man auf dem letzten Bild sehen kann, mit dem Anbringen der Scheuerleiste begonnen. Und zwischendurch habe ich immer mal wieder am Schwert gearbeitet. Aber zu beiden Themen wird es noch eigene Blogbeiträge geben.

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